Tomatengeiztriebe: Entfernen oder behalten?
Wer Tomaten anbaut, merkt schnell: Die Pflanze liebt es, seitlich auszutreiben. Diese Seitentriebe – Geiztriebe genannt – können sowohl Verbündeter als auch Problem sein. Alles hängt davon ab, was man erreichen möchte und wie man die Pflanze erziehen will.
Was genau ist ein Geiztrieb?
Ein Geiztrieb (auch Seitentrieb) ist ein Trieb, der aus dem Blattachselwinkel wächst – dem kleinen dreieckigen Raum, wo der Blattstiel auf den Haupttrieb trifft. Aus diesem Punkt wächst ein neuer Ast heraus, der entschlossen ist, selbst ein vollwertiger Trieb zu werden.
Geiztriebe wachsen überraschend schnell. Lässt man sie eine oder zwei Wochen in Ruhe, können sie Dutzende Zentimeter erreichen. Je größer sie sind, desto größer die Wunde beim Entfernen – deshalb ist der beste Zeitpunkt zum Ausgeizen, wenn der Geiztrieb unter 5 cm ist. Kleine Geiztriebe können mit den Fingern abgebrochen werden, ohne Schere; die Wunde heilt schnell und das Infektionsrisiko ist minimal.
Wie man aus einem Geiztrieb eine neue Pflanze zieht
Ein großer Geiztrieb muss nicht auf den Kompost. Tomaten wurzeln außerordentlich leicht – einfach:
- Den Trieb in ein Glas Wasser stellen oder direkt in feuchte Anzuchterde stecken
- In den ersten Tagen großzügig gießen, um Welken zu verhindern
- Bei 20–25 °C aufstellen, weg von direkter praller Sonne
Innerhalb von ein bis zwei Wochen erscheinen Adventivwurzeln und man hat eine neue Pflanze – kostenlos, gleiche Sorte, garantiert.
Erziehungsmethoden
Wie viele Geiztriebe man entfernt, hängt davon ab, wie man die Pflanze erziehen möchte. Jeder Ansatz hat seine Vorteile.
Eintriebige Erziehung
Alle Geiztriebe entfernen. Ein Trieb, senkrecht geführt. Die Früchte sind größer, reifen schneller und gleichmäßiger, und die Pflanzen können enger gestellt werden – das heißt, der Ertrag pro Quadratmeter ist oft vergleichbar oder besser als bei mehrtriebigen Methoden. Empfohlen im Gewächshaus und für unbegrenzt wachsende Sorten.
Zweitriebige Erziehung
Den Haupttrieb plus einen Geiztrieb behalten – idealerweise den direkt unterhalb des ersten Blütenstands, da er der stärkste ist und am frühesten Früchte ansetzt. Alle anderen Geiztriebe entfernen. Ein guter Kompromiss zwischen Ertrag und einfacher Handhabung.
Dreitriebige Erziehung
Haupttrieb plus zwei Geiztriebe. Die Pflanze braucht mehr Platz und stärkere Stützen. Insgesamt mehr Früchte, aber jede einzelne wird kleiner. Funktioniert gut, wenn Platz vorhanden ist und man viele Tomaten für Saucen und Konserven möchte.
Freigewachsen (kein Ausgeizen)
Keine Geiztriebeentfernung – die Pflanze breitet sich frei aus. Funktioniert am besten bei bestimmt wachsenden (Busch-)Sorten, die nach dem Ansatz einer festen Anzahl von Fruchtständen aufhören zu wachsen. Auch diese bilden Geiztriebe, aber das Entfernen ist weitaus weniger kritisch.
Unbegrenzt wachsende Sorten, die freigewachsen sind, bilden einen dichten, verfilzten Busch, der anfällig für Pilzkrankheiten ist. Mehr Triebe bedeuten mehr Früchte – aber kleinere, die schwerer zu ernten sind.
Was wenn zwei Triebe von derselben Stelle wachsen?
Manchmal wachsen zwei Geiztriebe gleichzeitig aus einem einzigen Blattachselwinkel. Den stärkeren und gesünderen auswählen und als Haupt- oder geplanten Trieb weiterführen. Den anderen als neue Pflanze einwurzeln oder einfach entfernen.
Mehr Triebe = mehr Früchte, aber kleinere
Die Pflanze verteilt ihre Ressourcen auf alle Triebe. Mehr Triebe bedeutet mehr Früchte – aber jede einzelne wird kleiner. Es lohnt sich auch zu bedenken, dass eintriebige Pflanzen dichter gestellt werden, sodass der Ertrag pro Quadratmeter oft ganz anders aussieht als ein einfacher Pro-Pflanze-Vergleich vermuten lässt.
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