Pappe als Mulch – Was bringen Sie eigentlich auf Ihren Boden auf?
Flächenmulchen mit Pappe wird immer beliebter: Es unterdrückt Unkraut, hält Feuchtigkeit und zersetzt sich im Laufe der Zeit und bereichert den Boden mit organischer Substanz. Aber bevor Sie die nächste Lieferbox zwischen Ihre Tomatenreihen legen, lohnt es sich zu wissen, woraus Pappe eigentlich besteht – und was mit ihr in Ihren Garten gelangt.
Was steckt in gewöhnlicher brauner Pappe?
Wellpappe besteht im Wesentlichen aus Holzschliff, der mit stärkebasiertem Klebstoff gebunden ist – typischerweise aus Mais, Weizen oder Kartoffel gewonnen. Diese Bestandteile sind vollkommen sicher und biologisch abbaubar. Das Problem liegt woanders – und es sind nicht die Druckfarben oder glänzenden Beschichtungen, die leicht zu erkennen und zu vermeiden sind. Es ist etwas, das für das bloße Auge unsichtbar ist.
PFAS – die Chemikalien, die nie verschwinden
PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) sind eine Familie von mehr als 15.000 synthetischen Verbindungen, bekannt als "ewige Chemikalien". Die Kohlenstoff-Fluor-Bindung in ihrem Kern ist praktisch unzerstörbar – die geschätzte Halbwertszeit übersteigt tausend Jahre.
PFAS werden seit den 1950er Jahren in Papierverpackungen verwendet, hauptsächlich als Beschichtungen, die Wasser und Fett abweisen. Fast-Food-Verpackungen, Mikrowellen-Popcorn-Tüten, Pizzakartons – das sind die Hauptträger von PFAS in den Papierrecyclingkreislauf.
Eine norwegische Studie, veröffentlicht im Journal of Hazardous Materials Letters, analysierte PFAS in verschiedenen Papierprodukten und in Fraktionen aus einer Wellpappenrecyclinganlage. Sie stellte fest, dass PFAS als unbeabsichtigt zugesetzte Stoffe durch den Recyclingprozess in Pappe gelangen – das Mischen von Papier unterschiedlicher Herkunft, einschließlich Lebensmittelverpackungen, die absichtlich mit PFAS beschichtet wurden, kontaminiert den gesamten Faserbrei. Festgestellte Werte lagen zwischen 0,4 und 971 µg/kg, mit den höchsten Werten in lebensmittelberührenden Verpackungen, nicht in gewöhnlicher Wellpappe.
Schwermetalle – ein Erbe früherer Leben
Eine im BioResources veröffentlichte Studie stellte fest, dass der Recyclingprozess selbst den Schwermetallgehalt in Pappe erhöht. Die Quelle sind Druckfarben und Farbstoffe aus früheren Inkarnationen des Rohstoffs – Zink, Blei, Cadmium und Nickel gelangen zusammen mit dem Altpapier in den Faserbrei. Auch schlichte braune unbedruckte Pappe trägt, wenn sie aus recycelter Faser hergestellt wird, die chemische Geschichte der Materialien mit sich.
Sollten Sie besorgt sein?
Das Ausmaß des Problems muss im Kontext betrachtet werden. Die durch eine typische Versandbox in den Boden eingebrachte Kontaminationsmenge ist – basierend auf verfügbaren Daten – vergleichbar mit anderen beliebten Mulchmaterialien, einschließlich Holzhackschnitzeln. Pflanzen können PFAS aus dem Boden aufnehmen, aber in den Konzentrationen, die für gewöhnliche Wellpappe typisch sind, ist dies gering.
Es lohnt sich auch, das größere Bild im Auge zu behalten: PFAS sind inzwischen praktisch überall vorhanden – in Boden, Wasser und Luft. Eine Pappeschicht im Garten ist nicht ihre primäre oder einzige Quelle. Das ist kein Argument dafür, das Problem zu ignorieren, aber dafür, es an der richtigen Stelle in der Risikohierarchie einzuordnen.
Wie man sicherere Pappe wählt
- Wählen Sie schlichte braune, ungebleichte Pappe ohne farbige Druckfarben oder glänzende Beschichtungen.
- Entfernen Sie Klebeband, Etiketten und Heftklammern vor der Verwendung – diese sind nicht biologisch abbaubar.
- Vermeiden Sie Lebensmittelverpackungspappe – Pizzakartons, Fast-Food-Behälter, Mikrowellenverpackungen – diese haben die höchste Wahrscheinlichkeit, absichtlich hinzugefügte PFAS zu enthalten.
- Gewöhnliche Versandboxen (Online-Bestellungen) sind eine bessere Wahl als Lebensmittelverpackungen.
Pappe im Garten zu verwenden ist eine Entscheidung, die Bewusstsein verdient – keine Panik, aber auch keine blinde Ablehnung. Eine gut ausgewählte Box ist immer noch ein sinnvolles und umweltfreundliches Mulchmaterial. Es ist nur so, dass nicht jede Box gleich gut ist.
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